Ingolf Timpner (1963 – 2018)
Ingolf Timpner wurde in Mönchengladbach geboren. Bereit mit 15 Jahren wurde er sich seiner Identität als Künstler bewusst. Seine ersten Schwarz-Weiß-Fotografien von Personen und Stillleben fertigte er mit einer Rolleicord Kamera, wobei er seine Bilder von Beginn an bewusst inszenierte. Ingolf Timpner blieb von seiner künstlerischen Ausbildung her -rein formal betrachtet- Autodidakt. Zeitlebens beschäftigte er sich jedoch intensiv mit Philosophie und Kunstgeschichte. Ingolf Timpner wurde wiederholt gefragt, warum er nicht an der Kunstakademie Düsseldorf studiert habe. Er berichtete dann, er habe sich seinerzeit beworben, einige Professoren hätten sich auch für ihn ausgesprochen, aber letztlich habe das Gremium ihn damals mit dem Hinweis abgelehnt, er sei in seiner künstlerischen Entwicklung bereits sehr genau erkennbar und werde durch das Studium an der Akademie seinen Weg mutmaßlich nicht mehr anders entwickeln. Diese professorale prognostische Einschätzung erwies sich insofern als äußerst zutreffend, als dass Ingolf Timpner tatsächlich von Beginn an sein Werk konsequent zu einem formal und inhaltlich völlig schlüssigen Kosmos entwickelte.
Faktisch ist Ingolf Timpners Kunst ein in Bildsprache transformiertes Seminar der Metaphysik. Ingolf Timpner’s Aphorismus zur Umschreibung seines Werkes lautete, Kern seines gesamten Werkes sei „die Zeit, das Sein und der Tod“. (Timpner über Timpner, um 2016) Dieser Dreiklang ist rhetorisch griffig. Faktisch aber ist sein Thema die Überzeitlichkeit alles Seienden. Ingolf Timpners Thema ist weniger die Existenz des „Todes“, als vielmehr dessen Nicht-Existenz. Es geht ihm um die Freilegung von etwas ewig Anwesendem.
Kennzeichnend für das gesamte Werkschaffen ist eine geradezu fordernde Stille. Überlässt man sich dieser, kann man plötzlich an der Achtsamkeit und Zuwendung teilhaben, die der Künstler seinen menschlichen, tierischen und nicht belebten Bild-Objekten hat zukommen lassen. Objekte sind bei Ingolf Timpner stets Subjekte. Aus der Stille heraus entfaltet sich eine Präsenz und ein absoluter Moment des „Hier und Jetzt“.
Sein Hauptwerk schuf Ingolf Timpner mit Rolleiflex Kameras der 60er Jahre.
Das Werk umfasst vor allem Bildnisse und Stillleben. Die Baryt – Abzüge wurden mit einer bestimmten Technik entwickelt: Ingolf Timpner trug den Entwickler mit einem Naturschwamm auf, so dass sich an den Bildrändern die für sein Werk charakteristischen Ausflockungen ergeben, die jeden Abzug zu einem Unikat machen. Durch diese Strukturen verweist der Künstler zugleich auf die Fotografie als ein (Trug-)Bild aus Licht und Schatten. Letztlich geht es damit auch um eine philosophisch-metaphysische Reflexion über Wirklichkeitskonzepte, geschaffen mit den Mitteln der analogen Fotografie und einer beständigen Bezugnahme auf ihm nahestehende Künstler-Kollegen der vergangenen Jahrhunderte.
In seinem Werk finden sich keinerlei digitale Verfremdungen.
Er selbst verstand sich im klassischen Sinne nicht als „Fotograf“, sondern er sah sich als ein Künstler, der „mit den Mitteln der Fotografie arbeitet“. (Timpner über Timpner)
Ingolf Timpner war sich seines bevorstehenden Lebensendes sehr bewusst und begegnete diesem Faktum mit seinem Freitod am 17.08.2018.
Von seiner Frau wünschte er sich die Vermittlung seines Werkes. Dr. Nahlah Saimeh gründete daraufhin im Oktober 2018 die ITNS Nachlassverwaltung Düsseldorf, um das Oeuvre des Künstlers durch Ausstellungen und Publikationen einem größeren Publikum bekannt zu machen und der kunsthistorischen Aufarbeitung zur Verfügung zu stellen. 2023 ging aus den Aktivitäten der ITNS- Nachlassverwaltung auch die Gründung des ITNS Verlags Düsseldorf hervor, der sich Nischen-Publikationen zu Kunst, Kunstphilosophie und Kulturwissenschaften verschreibt.
Die Arbeiten von Ingolf Timpner befinden sich in verschiedenen musealen Sammlungen wie den Staatlichen Museen zu Berlin, der Nationalgalerie Berlin, der Bibliothèque Nationale, Paris; dem Musée de la Photographie, Charleroi; dem Museum Ludwig, Köln und der Sammlung Niederösterreichische Landesmuseen.
Die Ausstellung Ewigkeitsvermutung zeigt eine repräsentative Auswahl von Arbeiten Ingolf Timpners aus den späten 90er Jahren bis 2016 und umfasst daher rund 20 Jahre, in denen zentrale Werkgruppen von Ingolf Timpner entstanden sind.
Publikationen des ITNS- Verlags sind über den Buchhandel erhältlich.
www.ingolf-timpner.de www.itns-verlag.de
Instagram: itns_nachlassverwaltung
Text: Dr. Nahlah Saimeh, ITNS Nachlassverwaltung Düsseldorf
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